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Forum von www.energie-bewusstsein.de / Energieeffizienz in der Industrie / Warum "Energieeffizienz in der Industrie"?
Autor Mitteilung
Bert
Mitglied
# Gesendet: 23 Okt 2007 13:34 | Bearbeitet von: Bert
Antwort 


Nach aktuellen Schätzungen des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) ließen sich durch Verwendung effizienter Technik in Deutschland ohne Weiteres 46 Milliarden Kilowattstunden einsparen. Dies entspricht 16 Kraftwerksblöcken à 400 Megawatt und jährlichen CO2-Emissionen von 22 Millionen Tonnen, die einfach durch Effizienz eingespart werden könnten.

Allein uneffiziente Kühl- und Gefriergeräte tragen laut dieser Statistik 8 Mrd. kWh im Jahr zur deutschen Verschwendungsbilanz bei.

Der nächstgrößere Block besteht aus 11 Mrd. kWh, die jährlich durch ungenutzte Effizienzpotenziale im Bereich Beleuchtung verschwendet werden, also überall, wo man immer noch Glühbirnen statt Energiesparlampen verwendet, oder auch wo vollkommen ungenutzte Räume über Stunden so sinn- wie verstandlos hell erleuchtet werden.

Die bei weitem größten Einsparpotenziale liegen überraschenderweise im Bereich der Industrie selbst. Von den erwähnten 46 Milliarden kWh Einsparpotenzial entfällt nämlich der Löwenanteil, also ganze 27 Mrd. kWh pro Jahr auf elektrische Antriebe aller Art. Zu diesen Antrieben gehören noch gar nicht einmal die Heizungspumpen, die immer noch millionenfach ihren verschwenderischen, weil ungeregelten Dienst in deutschen Kellern tun. Noch weit mehr Verschwendung aber tritt innerhalb der Fabriken und Industrien selbst auf. Statistiken des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) aus dem Jahr 2005 zeigen, dass mit 47% nahezu die Hälfte des gesamten deutschen Stroms in der Industrie verbraucht wird. Haushalte (26%), Handel und Gewerbe (14%), öffentliche Einrichtungen (8%), Verkehr (3%) und Landwirtschaft (2%) sind demgegenüber weitaus kleinere Verbraucher.

Es wäre daher toll, wenn wir hier in eine Diskussion über Energieverschwendung in der Industrie oder allgemein Energieverschwendung am Arbeitsplatz einsteigen könnten. Wo ist die industrielle Verschwendung, ist sie sichtbar oder unsichtbar, und wie läßt sie sich abstellen? Dies alles würde mich hier interessieren.

Im Forum findet sich in vielen Beiträgen die Beschwerde, die Industrie würde Vieles nicht umsetzen, obwohl es technisch möglich wäre und sich auch wirtschaftlich rechnen würde. Dies wird in dieser Diskussion nicht so sein: Hier liest die Industrie nämlich mit!

smetty
Mitglied
# Gesendet: 29 Okt 2007 14:11
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Hallo,

ich kann zu dem Thema Energieverschwendung in der Industrie ein paar Erfahrungen beitragen:

Ich arbeite bei einer Firma, die Transformatoren herstellt. Dort haben wir uns mit eben dieser Thematik beschäftigt und einen Steuertrafo entwickelt, der im Leerlauf minimale Verluste hat. Dazu muss man wissen, das die Transformatoren in Steuerungen in vielen Fällen nur ein paar mal am Tag wirklich belastet werden während sie in der restlichen Zeit im Leerlaufbetrieb laufen. Wir haben es geschafft, die Leerlaufverluste, die bei einem Transformator unvermeidlich sind, um bis zu 70% zu senken. Daneben hat dieser Transformator noch andere Eigenschaften, die für die Industrie von Vorteil sind wie z.B. geringer Einschaltstromstoß, geringe Wärmeentwicklung, usw. Also eigentlich genau passend für Hersteller von Schaltschränken und Steuerungen sollte man meinen.

Doch als wir uns dann mit dem neuen "Standby-Eco"-Trafo an die Industrie gewendet haben, war die Resonanz doch enttäuschend. Von einigen Schaltschrankbauern, die im Auftrag von anderen Firmen Schaltschränke fertigen, haben wir mehrere Male zu hören bekommen: "Es interessiert mich nicht ob unser Kunde dann mehr oder weniger Strom braucht. Hauptsache der Trafo ist billig...." Dass sich der Standby-Eco-Trafo nach kurzer Zeit amortisiert hat und man danach richtig sparen kann interessiert dabei allerdings niemanden.

Die Leidtragenden an der ganzen Geschichte sind natürlich die Endkunden, die einen normalen Transformator in ihre Steuerungen eingebaut bekommen und gar nicht wissen, dass es eine Möglichkeit gibt, die Verluste mitunter deutlich zu senken. Doch solange kein radikales Umdenken in Richtung Umweltschutz und Energieeffizienz innerhalb der Industrie einsetzt, wird immer noch so viel Energie wie bisher sinnlos vergeudet.

MfG

Michael

andreasm
Admin
# Gesendet: 29 Okt 2007 17:55
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Hallo Michael,

diese Transformatoren hören sich sehr interessant an. Mich würde es freuen, wenn du dazu einen eigenen Thread aufmachen könntest und mehr darüber schreiben würdest, u.a. wo man diese kaufen kann, welche Leistungsklassen es gibt und ein paar sonstige wichtige Daten...

Evtl. wären diese auch für meinen Arbeitgeber (Windkraftanlagen-Hersteller) interessant, denn je höher der Wirkungsgrad von Trafos, desto weniger Abwärme, desto weniger Kühlmaßnahmen, desto höher der Wirkungsgrad der gesamten Anlage :)

Bert
Mitglied
# Gesendet: 30 Okt 2007 12:10
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Hallo Michael,

ja, genau diese Reaktion kenn ich leider auch, das ist bei unseren hocheffizienten Getrieben und Motoren teilweise dieselbe Argumentation, die wir so zu hören bekommen. Erst wenn die Endanwender aufwachen, bekommen diese OEM Kunden den Druck, den sie scheinbar brauchen. Ich glaube, dieses Forum ist genau der richtige Weg, um auch die Enduser in der Industrie wachzukitzeln für die Thematik. Dass nämlich viele "bedenkenlos" eingekaufte Anlagen und Ausrüstungen einfach nur Geldverschwendungsmaschinen sind.

DJS2007
Mitglied
# Gesendet: 18 Nov 2007 14:02
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Zitat: smetty
"Es interessiert mich nicht ob unser Kunde dann mehr oder weniger Strom braucht. Hauptsache der Trafo ist billig...."


Ja das ist das allgemeine Problem, solange es nicht das eigene Geld kostet spielt es keine Rolle. Das ist nicht nur hier beim Trafo der Fall, sondern durchgängig vom Verbrauch des Firmenwagens, über den Computer der 24 Stunden läuft, die Beleuchtung im Büro.

Leider scheint sich das nur lösen zu lassen indem die Preise für Energie noch höher werden, denn erst wenn es im Geldbeutel brennt, scheinen sich die Menschen Gedanken über Alternativen zu machen.

Hinzu kommt, das der Endkunde in der Regel auch keine Vergleichswerte hat und somit auch keine Wirtschaftlichkeitsberechnungen anstellen kann (Von den Leuten mal abgesehen, die schon von Haus aus nicht rechnen können)

Vielleicht muss es erst eine EU-Verordnung geben nach der jeder Teil deutlich auf der Verpackung den Verbrauch ausweist sowohl im Betrieb wie auch Standby am besten noch in Watt und Euro.

Bert
Mitglied
# Gesendet: 19 Nov 2007 08:34
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Zitat: DJS2007
Ja das ist das allgemeine Problem, solange es nicht das eigene Geld kostet spielt es keine Rolle.


Was könnte man denn tun, um hier zu einem geänderten Bewusstsein zu kommen??? Eine Idee wäre vielleicht die Zuteilung von Energiebudgets pro Mitarbeiter, über die dieser im Rahmen seiner Tätigkeit frei verfügen kann, und die vielleicht degressiv sein könnten, um über die Zeit einen Einsparungsanreiz zu bieten. Leider würde das wohl sehr schnell in einem ziemlich bürokratischen Alptraum enden.

Allgemein ist ja oft die Lösung "Internalisierung externer Kosten" erfolgversprechend, so wie es die EU mit dem CO2-Zertifikatehandel vorexerziert hat (wenn auch nur einigermaßen halbherzig).

Im Moment interessiert es mich doch halt als typischer Mitarbeiter herzlich wenig, wieviel meine Firma für Energie blechen muss. Und genau deswegen sehen wir ja die ganzen Bleifuß-Firmenwagenfahrer in Autos mit unvernünftig großer Leistung, die Lichtbrennenlasser, die teils aberwitzig verschwenderische Maschinenauslegung usw. usw. --> alles ne andere Kostenstelle, und deshalb nicht mein Problem!

Was also könnte man tun, um das effektiv zu ändern?

anakonda
Mitglied
# Gesendet: 18 Jul 2010 21:50
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Hallo,ich wäre dafür,alle Trafos,welche nicht Ringkerntrafos sind,durch solche zu ersetzen,da diese die geringsten Leerlaufverluste haben.Die Kupferverluste könnte man reduzieren,in dem man einen grösseren Trafo als erforderlich verwendet.Den Einschaltstrom kann man mit einem Trafoschaltrelais gänzlich vermeiden.
Man kann dann ZB bei einem 1kw Trafo bei einer benötigten Leistung von 230 Watt mit einer 1Ampere Sicherung absichern(bei einer Primärspannung von 230 Volt) Dadurch,das der Trafo kühl bleibt,würde er auch nicht kaputt werden und die Umwelt schonen,da man keinen neuen herstellen muss.Der anfangs höhere Preis würde bei einer Massenproduktion nach unten gehen,und so wäre auch der Preis kein Argument gegen diese Technologie mehr.

emeko
Mitglied
# Gesendet: 24 Aug 2012 18:16
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Da Kann ich Anakonda nur beipflichten. sagt EMEKO

Legiaseth
Mitglied
# Gesendet: 30 Sep 2013 21:44
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Interessanter thread!

walterK
Mitglied
# Gesendet: 2 Feb 2015 12:13
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Das Problem dabei ist, dass das Volk meckert, sofern es um Erneuerbare und Energieeffiziente Energien geht. Dies kostet nämlich Geld und der Deutsche ist bekanntlich in jeder Hinsicht geizig
Ich würde sagen wir befinden uns erst am Anfang einer großen Energiereform...siehe neues EEG!

Ziegoo
Mitglied
# Gesendet: 17 Nov 2015 16:47
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Gerade die Industrie verbraucht den größten Kuchenanteil an Energie. Hier energieeffiziente Lösungen zu finden wäre nicht ganz verkehrt.

Solar2
Mitglied
# Gesendet: 27 Nov 2015 00:11
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ich glaube nicht an die Energieeffizienz in der Industrie. Gerade die Industrie verbraucht die meiste Energie, für die dann die ganze Bevölkerung zahlt

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